

"Der Waldemar ist unsichtbar"
Der humoristische Roman von Roman Schreiber
Hier die Fortsetzung ab Kapitel 8
Kapitel 8
Er war noch immer in Dr. Schaumbergs Labor !
Aber wo war das Labor? Die ganze Laboreinrichtung war verschwunden. Und der Doktor?Schnell ging Waldemar zur Tür. Sie war nicht verschlossen. Aber auch in der Diele und in den übrigen Räumen der ehemaligen Labor-Wohnung standen nur kahle Möbel.
Waldemar trat ins Treppenhaus. Das Alu-Firmenschild war ebenfalls verschwunden ! Nur ein paar Schraublöcher waren noch im Türrahmen. Da klickte es bei ihm - und endlich erfasste er die Situation. Er war doch tatsächlich einem Schwindler aufgesessen ! Und er selbst war gar nicht unsichtbar gewesen.
Er hatte alles nur geträumt ! Wahrscheinlich nach der Einnahme dieser angeblichen INVISIBLIN-Pillen.Du liebe Hölle - da hatte doch Dr. Hoose, sein Chef, ausnahmsweise Recht gehabt. Dr. Schaumberg war ein Ganove - und jetzt war er über alle sieben Berge.
Ahnungsvoll fasste Waldemar in seine Jackett-Tasche. Aber die zehn INVISIBLIN-Pillen waren noch da.Vielleicht hatte der Gauner gedacht, Waldemar habe sie alle geschluckt und sei an der Überdosis gestorben?Wahrscheinlich hatte er deshalb die vermeintliche Leiche im Schrank versteckt und das Weite gesucht. Anscheinend war das Zeug irgendeine Droge. Nun gut, er würde die Pillen untersuchen lassen.
Er war dennoch völlig verwirrt. Wie dieser falsche Biochemiker es wohl angestellt hatte, die Ratten und Meerschweinchen verschwinden zu lassen?
Ihm fiel ein, dass da ja noch dieser Direktor Henkelbracht von der Brodelbach Chemie KG gewesen war. Einen Direktor dieses Namens gab es dort wirklich, das wusste er. Dass dieser auch auf den Schwindler hereingefallen war, beruhigte ihn ein wenig. Doch wenn seine Chefs davon erfuhren, würden sie ihn nur auslachen und verspotten. Diese herrliche Gelegenheit ihn gehörig herunterputzen zu können, würden sie sich nicht entgehen lassen. Und das Vertrauen des alten Polterum in seine Fähigkeiten würde ebenfalls dahinschwinden wie Frühnebel in der Sonne. Und an Barbarella durfte er gar nicht erst denken - bei der würde er vollkommen unten durch sein !
Unmöglich. Dorthin konnte er sich nicht mehr wagen. Jedenfalls nicht, bevor er den Hochstapler überführt hatte. Wenn er das schaffte, dann würden alle in Hochachtung vor ihm erstarren. Ihm blieb nichts anderes übrig, als sich sofort auf die vielleicht noch nicht kaltgewordene Spur dieses Lügen-Erfinders zu setzen.
Sorgfältig durchsuchte Waldemar die Räume. Und als er in den leeren Möbeln des imitierten Empire-Schlafzimmers ein Nachttischkästchen aufzog, fand er etwas, das in eine Holzritze gerutscht war.
Es war ein vergilbter Zeitungsausschnitt, und er war mehrmals zusammengefaltet. Er entfaltete ihn und erkannte das Foto von Dr. Schaumberg. Daneben stand die Überschrift: "Ehemaliger Zauberkünstler als internationaler Trickbetrüger unterwegs".
Im kleinen Text las Waldemar, dass der ehemalige Magier und vorbestrafte Trickbetrüger Ottmar Dunkel durch üble Zaubertricks mit Hilfe von Chemikalien, Elektronik, Laser und Spiegeln spektakuläre Erfindungen vorzutäuschen pflegte und damit verschiedene Interessenten um insgesamt über 900.000 Euro betrogen hatte. In der letzten Zeit hatte er - nach dem Datum des Ausschnitts aus einer Münchener Zeitung zu schließen - in München und Nürnberg sein Unwesen getrieben. Insgesamt waren auf seine Ergreifung bereits Belohnungen von 25.000 Euro ausgesetzt.
25.000 Euro (!) dachte Waldemar elektrisiert. Das waren ja 10.000 Euro mehr, als er brauchte, um seine eigene Erfindung - die Sympathiedroge - entwickeln und testen zu können !
Jetzt hatte sich dieser trickreiche Scharlatan also nach Hamburg abgesetzt, um hier zuzuschlagen. Und Ottmar Dunkel hieß der Dunkelmann in Wahrheit. Aber vielleicht hatte dieser Ottmar Dunkel noch gar nicht bei der Brodelbach Chemie zugeschlagen.
Er musste unbedingt diesen Direktor Henkelbracht anrufen. Er ging hinüber zum Fensterbrett des ehemaligen Laborraums und hob den Hörer des Telefons ab. Tatsächlich, es tutete. Das Telefonbuch lag auch noch daneben. Er fand die Nummer, holte tief Luft und wählte. Besetzt. Er musste dreimal tief Luft holen, bevor der Anschluss frei war.
"Bro`lbach Ch`mie, n`Tag!" meldete sich eine sehr schnell sprechende weibliche Stimme. Wahrscheinlich eine für Ferngespräche geschulte Telefonistin, die einen Schnellsprech-Kostenspar-Kurs absolviert hatte.
"Unsinge`, bitte - èrrn D`rektor Hen`ke`racht", sagte er ebenso schnell. Schließlich wollte er nicht als altmodischer Telefonierer gelten, der hinter der Zeit hinkt.
"...ment, bitte," antwortete das weibliche Telefonwesen und es knackte.
"Schnapp," meldete sich eine andere weibliche Stimme.
"Wie `ìtte?" fragte Waldemar.
"Schnapp," antwortete die Stimme. "Wer spricht da?"
"Unsinge`. Möchte gern D`rektor Hen`ke`racht sprech`n," wiederholte er eilig. "Was is`n Schnapp ?"
"Das ist mein Name, wenn Sie nichts dagegen haben," sagte die Dame eingeschnappt. Ich bin die Sekretärin von Herrn Henkelbracht. Sie sprechen so schnell. Ist es ein Transatlantikgespräch?"
"Nein. Ein Trans-Binnenalster-Gespräch," erklärte Waldemar etwas langsamer. Er atmete auf.
"Sie sind wohl ein Witzbold, Herr Unsinge`? Einen Moment, bitte."
Waldemar fühlte sich auf einmal viel freier. Ob er das seinem Traum verdankte?
"Henkelbracht," meldete sich eine tiefe Bass-Stimme.
"Ihre Stimme klingt ja ganz anders," sagte Waldemar erstaunt. Denn Henkelbrachts Stimme hatte im Labor viel heller geklungen.
"Meine Stimme hat noch nie anders geklungen," dröhnte die sonore Stimme. "Es sei denn, nicht wahr, nach einem anständigen Herrenabend im Elbe-Alster-Club, haha!" Direktor Henkelbracht wurde ernst. "Aber vielleicht haben Sie inzwischen die Freundlichkeit, mir zu verraten, mit wem ich die Ehre habe und was Sie von mir wünschen, Herr ...?"
"Unsinger, Waldemar Unsinger, Herr Direktor. I - ich rufe Sie wegen dieses Schwindlers an. Sie wissen es vielleicht noch nicht - oder haben Sie etwa schon die Formel für das INVISIBLIN gekauft?"
"Schwindler? Formel gekauft?" fragte Henkelbracht. "Ah, meinen Sie diesen Dr. Schaumschläger, nicht wahr, mit seiner Unsichtbarkeitsdroge?"
"Dr. Schaumberg, ja. Aber der heißt gar nicht so. Sein richtiger Name ist Ottmar Dunkel. Ein international gesuchter Trickbetrüger. Früher war er mal Zauberkünstler. Und ich bin der Beauftragte von PPP. Wir haben uns doch vorhin hier in Dr. Schaumbergs Labor getroffen."
"Wie bitte?" fragte Henkelbracht erstaunt. "Ich bin heute überhaupt noch nicht aus meinem Büro gekommen. Dieser angebliche Biochemiker war vor drei Tagen bei mir, nicht wahr, und hat mir dieses INVISIBLIN angeboten. Ich bin erst gar nicht in sein Labor gegangen. Habe sofort gemerkt, nicht wahr, dass das ein Spinner war. Wenn ich gewusst hätte, dass er auch noch ein Hochstapler ist, nicht wahr, hätte ich die Polizei auf ihn gehetzt.."
"Was? Das warten Sie gar nicht vorhin? Ja, wer denn dann?" fragte Waldemar verblüfft.
"Hat sich da einer unter meinem Namen vorgestellt?" erkundigte sich der Firmenchef aufhorchend.
"Allerdings," bestätigte Waldemar. "Angeblich wollte dieser der PPP die INVISIBLIN-Formel vor der Nase wegschnappen!"
"Alter Trick," meinte Henkelbracht. "Das war ein Komplice, nicht wahr, der Ihre Entscheidung beeinflussen und den Preis hochtreiben sollte. Und dazu mißbrauchen die meinen guten Namen!"
"Gott sei Dank hat noch niemand gekauft. Aber jetzt sind die beiden Galgenvögel ausgeflogen. Das Labor gähnt vor Leere. Alles ausgeräumt. Ich muss zur Polizei."
"Ist eine Belohnung auf diesen Dunkel ausgesetzt?" fragte Henkelbracht interessiert.
"J - ja," antwortete Waldemar vorsichtig. "Ein paar tausend Euro,"
"Woher wissen Sie, dass der Kerl Dunkel heißt und ehemaliger Zauberkünstler ist?"
"Ich habe es in der Zeitung gelesen."
"Sagen Sie mal, junger Mann, wollen Sie mich nicht mal hier aufsuchen? Da können wir alles bereden," schlug der Firmenchef vor. "Ich möchte nicht, dass Sie ohne Absprache mit mir zur Polizei gehen, nicht wahr. Wo sind Sie jetzt?"
"An der Binnenalster. Ballindamm Ecke Alstertor."
"Das ist ja nicht weit. Ich schicke Ihnen meinen Fahrer rüber."
"Ich habe selbst einen Wagen, Herr Henkelbracht."
"Lassen Sie ihn stehen. Im Rolls Royce fährt`s sich gemütlicher. So was genießen Sie nicht alle Tage, nicht wahr. In zehn Minuten ist er da. Ein blauer Rolls Royce."
"Oh," hauchte Waldemar ehrfürchtig. "Sie sind wirklich sehr großfreundlich - äh - freundzügig."
"Witzbold," sagte Henkelbracht. "Dann bis gleich, Herr Unsinger! Es wird sicher interessant für Sie!"
Kapitel 9
Tatsächlich glitt nach einer knappen Viertelstunde der blaue Rolls Royce fast geräuschlos an die Straßenecke. Er hielt kurz auf dem Bürgersteig - und der Fahrer im schwarzen Anzug eilte um die Feudalkarosse herum.Waldemar näherte sich ehrfürchtig dem Fahrzeug.
"Sind Sie Herr Unsinner?" fragte der Chauffeur jovial.
"Unsinger, wie Singer mit ùn`", sagte Waldemar. "Sehr freundlich von Ihnen."
Der Fahrer riss ehrerbietig vor ihm den Schlag auf. "Bitte sehr, mein Herr. Machen Sie es sich bequem. In der Bar finden Sie etwas Erfrischendes."
Waldemar war schon wieder verwirrt. Es kam ihm vor als befände er sich in einem Traum.
Aber als er sich beim Einsteigen wieder einmal den Kopf anstieß, war der Schmerz durchaus nicht traumhaft.
Eine Viertelstunde später saß Waldemar im Büro des echten Direktor Henkelbracht mit der sonoren Bassstimme und berichtete von seinem jüngsten Erlebnis. Der Firmenchef war zwar ebenfalls groß und breit gebaut, aber ansonsten sah er ganz anders aus als sein falscher Namensvetter.
"Ja, das ist ja interessant, was Sie da erzählen, nicht wahr." Der weißhaarige Firmenchef lächelte jovial und hielt in seiner Wanderung über den Teppichboden inne.
"Übrigens, wussten Sie schon,dass sich Ihr Verkaufschef vorhin bei mir beworben hat? Er müsste Ihnen fast noch begegnet sein."
"Was? Herr Hautin?" Waldemar riss die Augen auf.
"Ganz recht, mein Lieber." Henkelbracht nickte verschmitzt. "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, wie?"
"Na ja, so rosig geht es der PPP nicht, das ist bekannt," gab Waldemar zu. "Aber trotzdem. Er ist doch Mitgesellschafter!"
"Ja, ja, nicht wahr." Henkelbracht winkte müde ab. "Er wollte sich hier bei uns auch einkaufen. Aber ich habe ihm gesagt, die Brodelbach KG sei kapitalkräftig genug. Dann habe ich ihn gefragt, welche Leistungen und Erfolge er als Verkaufschef aufzuweisen habe."
"Und was hat er da gesagt?" fragte Waldemar feixend.
"Er schwärmte von Erfolgen, die samt und sonders acht bis zehn Jahre zurücklagen. Daraufhin habe ich ihm seine aktuellen Misserfolge aufgezählt - und da wurde er ganz klein und sanftmütig. Und als ich ihn fragte, nicht wahr, warum ervon PPP wegwollte, behauptete er, er habe dort Ärger mit dem verkalkten Anton Polterum. Dieser ließe ihm überhaupt nicht zur Entfaltung kommen."
"Haha." Waldemar lachte trocken.
"Ja, und da riet ich ihm freundlich, er möge sich doch bitte woanders entfalten. Mir sei nämlich zu Ohren gekommen, nicht wahr, dass er zu den berüchtigten Tierchen gehöre, die das sinkende Schiff verließen, obwohl sie es selbst vorher durchgeknabbert hatten, nicht wahr. Und solche Tierchen würde ich auf meinem Schiff auch nicht allzusehr schätzen."
Waldemar lachte wieder schadenfroh.
"Darauf zog der gute Herr Hautin unverrichteter Dinge, aber mit ziemlich unfreundlichen Worten von hinnen."
"Kann ich mir denken. Au, der wird am Montag `ne Laune haben..."
"Soviel dazu," sagte Henkelbracht. "Sie sehen, nicht wahr, ich habe Vertrauen zu Ihnen. Sie machen einen zuverlässigen Eindruck. Doch zurück zu dem Hochstapler. Wieviel Belohnung, sagten Sie, ist auf seine Ergreifung ausgesetzt?"
"Fünfundzwanzigtausend insgesamt."
"Fünfundzwan... - Donnerwetter noch mal!" sagte Henkelbracht ergriffen. Er hielt in seiner Teppichwanderung inne.
"Da muss er ja schon Millionenbetrügereien auf dem recht ansehnlichen Kerbholz haben, nicht wahr? Haben Sie schon eine Idee, wie Sie an den Schwindelmeier herankommen können?"
"Ich glaube, ja," sagte Waldemar."Aber dazu brauche ich Ihre Hilfe."
"Gut. Teilen wir uns die Belohnung. Jeder die Hälfte."
"Das geht leider nicht." Waldemar schüttelte mit bescheidener Miene seinen Wuschelkopf. "Ich habe eine Erfindung gemacht. Für deren Entwicklung und Erprobung brauche ich genau fünfzehntausend Euro. Ich werde deshalb auch die Hauptarbeit übernehmen. Ich werde diesen Schwindler aufspüren und ihn seiner gerechten Strafe zuführen."
"Und ich habe Spielschulden von fast elftausend Euro," sagte Henkelbracht seufzend. Er verbarg eine leichte Verlegenheit. "Im Spielkasino Travemünde.Erläutern Sie mir Ihren Plan. Vielleicht bin ich mit zehntausend Euro einverstanden."
"Das sollten wir schriftlich festhalten. Zehntausend für Sie, fünfzehntausend für meine Erfindung," sagte Waldemar entschieden. Er fühlte sich auf einmal erstaunlich sicher. Was so ein einfacher Traum manchmal bewirken konnte!
"Vorausgesetzt, nicht wahr, mir gefällt Ihre Idee," meinte Henkelbracht lächelnd. "Gut, wir können das ja in Briefform festlegen, nicht wahr? Die Unterschrift setze ich aber erst darunter, wenn ich Ihren Vorschlag gehört habe."
Der Firmenchef drückte auf die Taste der Sprechanlage. "Frau Schnapp, kommen Sie doch bitte mal."
Als seine ältliche, aber sehr gewissenhaft vor sich hinblickende Sekretärin mit dem bissigen Namen erschien, setzte er seine Teppichwanderung fort und diktierte in ihrem Beisein eine schriftliche Vereinbarung ins Diktiergerät und gab ihr noch ein paar Anweisungen, wie das Ganze formal aussehen sollte.
Nachdem die Schnapp wieder gegangen war, rückte Waldemar endlich mit seiner Idee heraus.
"Das ist doch ganz einfach, Herr Henkelbracht: Sie geben in der Hamburger Morgenpost eine Anzeige unter der Rubrik `Verschiedenes`auf. Darin suchen Sie den "Biochemiker Dr. S., den genialen Schöpfer des weltumwälzenden biochemischen Präparates I. und geben ihm bekannt, dass Sie es sich anders überlegt hätten und doch an einer Geschäftsverbindung interessiert seien. Nach reiflicher Überlegung und Rücksprache mit Ihrem Vorstand seien Sie zu der Überzeugung gelangt, dass es sich doch um eine ernstzunehmende Erfindung handeln würde. Und da Sie leider nicht seine Adresse gefunden hätten, bitten Sie ihn, sich bei Ihnen nochmals zu melden."
"Hm!" Direktor Henkelbracht grinste. "Nicht schlecht ausgedacht. Und Sie meinen, das funktioniert? Vielleicht schöpft er Verdacht?"
"Glaube ich nicht. Von dem Fund meiner `Leiche` steht ja nichts in der Zeitung. Er muss also annehmen, dass diese noch nicht gefunden worden ist. Deshalb muss er sich auch beeilen, zu Geld zu kommen und aus Hamburg zu verschwinden."
"Nun ja, nicht wahr, könnte angehen." Henkelbracht nickte langsam. "Wegen der angeblichen Leiche wird er auch alle Zeitungen durchblättern, nicht wahr. Dann findet er bestimmt unsere Anzeige, wenn sie auffällig genug gestaltet ist." Henkelbracht blieb plötzlich auf dem Teppichboden stehen. "Okay," sagte er dann. Und während er interessiert gegenüber von Waldemar Platz nahm, schienen seine sowieso schon spitzen Ohren noch spitzer zu werden.
"Sie selbst haben also auch eine Erfindung gemacht? Darf man fragen, was für eine? Erzählen Sie mir jetzt nur nicht, nicht wahr, Sie seien es, der die Unsichtbarkeitsdroge erfunden hat." Er grinste schief und legte aufmerksam die manikürten Hände gegeneinander.
"Nein," entgegnete Waldemar bescheiden. "So vermessen bin ich gar nicht. Das wäre ja wirklich anmaßend. Nein, was ich erfunden habe, ist die sogenannte "Sympathie-Droge". Ich nenne sie auch einfach ASD, die Abkürzung für Automatic Sympathy Drug."
"So." Direktor Henkelbracht rosige Gesichtszüge gerieten zu einem noch breiteren Grinsen, das bis zu seinen letzten Weisheitszähnen reichte. "So. Die Sympathie-Droge. Ganz einfach die Sympathie-Droge, nicht wahr? Kolossal ! Hahahaha!" Mit dröhnendem Lachen ließ er sich in seinen Hochlehner-Chefsessel zurückfallen. Er wollte sich gar nicht beruhigen.
"Guter Witz !" prustete er. "Sie sind mir vielleicht ein Witzbold! Sie gefallen mir aber, Sie!"
"Sie glauben mir nicht?" Waldemar wunderte sich nicht. Er nickte nur. "Keiner glaubt mir. Aber das macht nichts. Wenn ich die Belohnung kassiert habe, führe ich die Entwicklung und Tests auf eigene Kosten durch. Und dann verkaufe ich die ASD an die World Chemical. Jerry McPillan wird sehr interessiert sein."
"Sagen Sie mal, sind Sie vielleicht ein Komplice von diesem Dr. Schaumberg? Wollen Sie mir statt der der Unsichtbarkeitsdroge jetzt die Sympathie-Droge aufschwatzen?" fragte Henkelbracht, plötzlich misstrauisch werdend. "Ist das Ganze etwa ein abgekartetes Spiel?"
"Ich?" erwiderte Waldemar ehrlich entrüstet. "Ich will Ihnen gar nichts aufschwatzen. Ich will weiter nichts als die fünfzehntausend Euro Belohnung, um meine Erfindung entwickeln zu können. Sie brauchen sie wirklich nicht zu kaufen."
"So. Na ja, also nun gut, schön, nicht wahr, Herr Unsinger," sagte Henkelbracht seufzend. "Sie müssen verstehen, das klingt alles etwas phantastisch."
"Ja, das ist schon eine ziemlich phantastische Erfindung," bestätigte Waldemar. "Stellen Sie sich, Sie würden Ihrer Ehefrau, Ihren Kindern, Geschäftsfreunden, Nachbarn und sonstigen Feinden einfach die Droge eingeben unmd diese würden alle samt und sonders herzliche Sympathie Ihnen gegenüber und untereinander empfinden. Das wäre ein verdienstvolles Unternehmen. Es würde keine Kriege mehr geben, nicht wahr, keinen Neid, keinen Zank. Alles wäre in schönster Butter, äh Harmonie, nicht wahr." Jetzt fange ich auch schon mit diesem ´nicht wahr`an, dachte Waldemar.
"Und auf welcher biochemischen Basis wollen Sie dieses Präparat entwickeln?" fragte Henkelbracht lauernd.
"Auf der Basis von Lysergaminoacethylensulfat-III-Säure-Amid. Aber wie, das ist natürlich mein Geheimnis." Waldemar lächelter mit ungewohnter und deshalb etwas unsicherer Verschlagenheit.
"Aha, aha," sagte Henkelbracht nur. "Na, wie dem auch sei, wir verdienen uns erst einmal die Belohnung, nicht wahr? Und dann werden wir weitersehen."
"Genau," sagte Waldemar. "Erst die Belohnung, dann die gute Tat."
"Ja, ohne Preis kein Fleiß," sagte Henkelbracht lachend. "Können Sie eine Anzeige für die Hamburger Morgenpost formulieren?"
"Einverstanden. Da kann die Polizei von uns noch etwas lernen. Wozu brauchen wir da Interpol?"
"Sie sind ja wirklich ein cleveres Bürschchen," meinte Direktor Henkelbracht. "Von Ihnen kann man ja direkt auch noch was lernen. Sieht man Ihnen wirklich nicht an, nicht wahr."
"Ja, mein dummes Gesicht ist meine Stärke. So werde ich leicht unterschätzt," erklärte Waldemar stolz. Und mit einem Anflug von Ironie fügte er hinzu:"Nicht wahr?"
Kapitel 10
Am Montag ging Waldemar wie gewohnt zur Firma, und gegen zehn rief ihn Barbarella Schönthal zu Dr. Hoose. Obwohl Waldemar diesmal bereits wesentlich selbstbewusster als sonst auftrat, behandelte ihn die schöne Barbarella so belustigt und spöttisch wie immer.
"Sie müssen sich noch einen Moment gedulden, Herr Unsinger", erklärte sie und wies auf einen Besucherstuhl. "Nehmen Sie solange Platz. Herr Dr. Hoose führt gerade noch ein wichtiges Gespräch."
Waldemar war der kleine Aufenthalt bei seiner heimlich Angebeteten nicht unrecht, vor allem heute nicht, wo er sich endlich etwas sicherer fühlte. Gern nahm er ihr gegenüber Platz. Sein Blick verfing sich wieder in Barbarellas schönen schwarzen Augen.
Barbarella verschränkte die nackten Arme vor ihrem wirkungsvollen Busen und stützte sich auf ihren modernen Designer-Schreibtisch. Ihr Pullover war heute wieder einmal so eng, dass kein männliches Wesen mehr atmen konnte.
"Ich habe gehört, Herr Unsinger, dass Sie am Samstag in dem Labor von diesem Dr. Schaumberg waren. Na, und? Wie war´s? Funktioniert seine Unsichtbarkeitsdroge tatsächlich?"
Waldemar lächelte atemlos. "Hat es am Samstag nicht in Ihren Ohren geklungen? Da - da habe ich Sie nämlich - geküsst. Äh, ich meine..."
Barbarella lachte silberhell. "Sie mich geküsst? Sie träumen wohl am hellichten Tage, wie, Waldemar?"
Er nickte ernst. "Und dann war auf einmal dieser Intrigant Hinterer da. Na ja, das gehört aber nicht hierher..."
Plötzlich ging die Tür neben ihm auf, und wer aus Dr. Hooses Büro ins Vorzimmer trat, war der vermeintliche Intrigant Egon Hinterer.
Vor Schreck wurde Waldemar blass um die Nase. Doch der "schöne Egon", wie er in der Firma genannt wurde, schien Waldemars Ausspruch glücklicherweise nicht gehört zu haben.
Dr. Volker Hoose trat hinter ihm ins Vorzimmer und rieb sich die Hände.
"Also Egon, alles klar?" fragte er den strahlenden Hinterer, der geringschätzig lächelnd auf Waldemar herabgrüßte.
"Klar, Herr Dr. Hoose," versicherte er durchtrieben lächelnd. "Wir werden die Sache schon über die Bühne schaukeln."
"Da sind Sie ja endlich, Unsinger," bellte Dr. Hoose. "Hielten Sie es eigentlich nicht für nötig, mich über das Ergebnis Ihres Labor-Besuches bei Dr. Schaumberg ins Bild zu setzen?"
"Ich denke, Sie waren daran gar nicht interessiert?" erwiderte Waldemar empört. "Sie hielten das doch alles für ausgemachten Schwachsinn!"
"Sie wurden aber von uns authorisiert, an unserer Stelle dort zu erscheinen und offiziell die PPP zu repräsentieren," rügte Dr. Hoose in scharfem Ton. "Sie scheinen sich der Bedeutung dieses verantwortungsvollen Auftrags nicht im geringsten bewusst zu sein. Ich glaube, da muss ich mit Ihnen noch ein fettes Hühnchen rupfen. Gehen Sie in mein Büro. Das heißt, halt! Darf ich Sie zunächst erstmal mit einer neuen Situation vertraut machen."
Er legte seine gelbe Chemikerhand auf die gepolsterte Schulter des stolzen Schönlings Hinterer.
"Als mein zukünftiger direkter Untergebener sollen Sie es als erster erfahren: Ich habe Herrn Hinterer gerade aufgrund seiner überragenden Führungsqualitäten und seiner großen Loyalität zur PPP-Entwicklungsabteilung zum stellvertretenden Leiter der Entwicklungsabteilung ernannt."
Waldemar schnappte nach Luft. "Ich pro... äh, gratuliere," stammelte er mit verkrampftem Lächeln. "Da ... das ist aber eine Überraschung." Widerstrebend reichte er Hinterer die zittrige Hand. Dieser packte sie und schien Waldemars Rechte zerquetschen zu wollen, während er triumphierend grinste.
"Nicht wahr, Waldemar"? sagte er gönnerhaft. "Ja, die Hinterer werden die Vorderen sein. Sie sehen, was man in dieser Firma alles erreichen kann. Vielleicht gibt das Ihnen die Hoffnung, dass Sie es mit entsprechend besserer Leistung dereinst auch einmal schaffen könnten - irgendwo anders."
"Ist es sonst nicht üblich, dass solche Beförderungen im Vorstand gemeinsam beschlossen werden?" fragte Barbarella Schönthal breit lächelnd. Sie reichte Egon Hinterer ihre schöne Hand. Dieser wollte sie gar nicht mehr loslassen, was Waldemar fast bis zur Weißglut reizte.
"Schluss!" rief er. "Schluss ... äh schlussendlich müssen ja wohl Herr Hautin und auch Herr Polterum Ihrer Entscheidung noch zustimmen, nicht wahr, Herr Dr. Hoose?"
"Meinen Stellvertreter suche ich mir selbst aus, Herr Unsinger!" entgegnete der Entwicklungschef erbost. "Da lasse ich mir von niemandem hineinreden. Und von Ihnen schon gar nicht! Halten Sie Ihren missgünstigen Neid im Zaum und leisten Sie lieber mal exzellente Arbeit! Sonst sehe ich kohlrabenschwarz für Ihre Zukunft bei der PPP. So, und nun gehen Sie schon endlich in mein Büro. Ich habe Sie schon einmal dazu aifgefordert. Oder legen Sie Wert auf eine auf Bütten gedruckte Einladung?"
Waldemar setzte sich mit schleppenden Schritten in Bewegung.
"Sie selbst haben mich aber zurückgehalten, um mir erst Ihren `Vizepräsidenten` vorzustellen," meinte er. Und als er drinnen war, setzte er leiser hinzu:"Jetzt hat er endlich einen, der mit ihm zusammen intrigiert, der seine Pläne ausführen muss und den er als Prügelknabe opfern kann, wenn seine Unternehmungen scheitern. Nein, neidisch bin ich wirklich nicht."
Doch die beiden, die er meinte, hörten ihn nicht. Sie tuschelten im Vorzimmer. Dann schlug Dr. Hoose niederträchtig grinsend auf Hinterers Schulter und verabschiedete ihn. Schließlich kam er in sein Büro und zog schwungvoll die Bürotür hinter sich zu.
"Na, Unsinger?" rief er plötzlich freundlich und ließ sich händereibend in seinen Chromfeder-Chefsessel fallen. "Wie war´s bei Dr. Schaumberg? Habe ich was versäumt?" Er klappte sein silbernes Kästchen auf dem Schreibtisch auf und versorgte sich mit neuem Schnupftabak.
"Allerdings haben Sie etwas versäumt," sagte Waldemar mit Nachdruck.
"Sehen Sie, ich habe doch gleich gewusst, dass da etwas dran ist. Wir haben zusätzlich noch Erkundigungen über Dr. Schaumberg eingeholt und sind zu dem Schluss gelangt, dass er ein ernstzunehmender Wissenschaftler ist."
"Wo haben Sie denn diese Auskunft her?" fragte Waldemar. "Da ist nichts dran. Alles Schwindel!" Er hob die Augenbrauen. "Sie waren es doch selbst, der noch am Freitag dieses INVISIBLIN für Blödsinn gehalten hat. Was hat Sie zu dieser Meinungsänderung gebracht?"
Dr. Hoose hatte erwartet, dass dieser Unsinger, dieser Industriespion, der hier den harmlosen Deppen markierte, auf einmal behaupten würde, das INVISIBLIN sei ein Schwindel.
Aber jetzt war er durchschaut. Schließlich hatte Hubert Hautin, als er zufällig am Samstag an der Hauptverwaltung der Brodelbach Chemie vorbeigefahren war, Unsinger auf das Firmengelände der Konkurrenzfirma hatte fahren sehen. Und nicht etwa in dem kleinen VW Golf, mit dem er hier aufkreuzte. Nein, in einem Rolls Royce mit Chauffeur!
Ganz klar. Er war ein wichtiger Agent von Brodelbach. Aber ihn jetzt schon zu entlarven, dazu war es noch zu früh. Denn dass dieser Unsinger unmittelbar nach der Verabredung mit Dr. Schaumberg zur Brodelbach Chemie gefahren war, konnte nur als Anzeichen dafür gewertet werden, dass er bei Dr. Schaumberg auf eine tolle Erfindung gestoßen war. Und die wollte er nicht etwa der Firma PPP sichern, sondern seinen Auftraggebern bei Brodelbach !
Das musste unbedingt verhindert werden. Denen musste die Formel vor der Nase weggekauft werden !
Kapitel 11
"Ich stelle fest, Herr Unsinger, dass auch Sie Ihre Meinung über diese Erfindung radikal geändert haben. Sie waren doch noch am Freitag hellauf begeistert," sagte Dr. Hoose verwundert. "Warum machen Sie diese bahnbrechende Erfindung auf einmal so schlecht?"
"Weil sie es nicht anders verdient," antwortete Waldemar entschieden.
"Ja, ja." Dr. Hoose winkte ab. "Und das soll ich Ihnen glauben, wie?" Er lachte bitter.
"Sie werden schon bald daran glauben müssen," bemerkte Waldemar eindeutig zweideutig.
"Sie!" schrie sein Vorgesetzter. Er sprang wie ein Kastenteufel aus dem Sessel. "Ich verbitte mir Ihre Frechheiten! Ich ahne, warum Sie Dr. Schaumberg und seine geniale Erfindung hier miesmachen! Sie wollen sie anderweitig vermitteln und uns leer ausgehen lassen. Aus durchsichtigen Gründen!"
"Seien Sie heilfroh, wenn ich sie Ihnen vorenthalten möchte, Herr Doktor!" meinte Waldemar. "Denn ..."
"Ha! Habe ich´s mir doch gleich gedacht!" schrie Dr. Hoose und wies mit strammem Zeigefinger zur Tür. "Ich werde die Sache selbst in die Hand nehmen! Lassen Sie ab sofort Ihre Finger von der Invisili...bilibin-Sache! Und jetzt raus! Sonst lernen Sie mich kennen!"
"Danke. Was ich bis jetzt von Ihnen kenne, reicht mir schon zur Genüge!" Erschrocken über seinen eigenen Mut erhob sich Waldemar, und er zog den Lockenkopf ein. Ein Rest von seiner alten Mentalität war eben doch noch vorhanden. Aber wenn Dr. Hoose unbedingt mit dem INVISIBLIN auf dem Bauch landen wollte, dann wollte er ihn nicht daran hindern.
Kaum war Waldemar im Vorzimmer, kam sein Chef hinter ihm her gerannt.
"Halt, Unsinger! Sie können doch nicht einfach davonrennen!" rief er. "Sie haben mir noch gar nicht die Adresse von Herrn Dr. Schaumberg gesagt. Ich habe mir sie neulich nicht notiert."
"Ballindamm Ecke Alstertor," sagte Waldemar. "Aber ich habe Sie gewarnt."
"Machen Sie, dass Sie rauskommen, Sie - Sie - Sie..."
"Bitte, keine Beleidigungen, Herr Dr. Hoose," sagte Barbarella Schönthal. "Wenn mich Herr Unsinger später als Zeuge nennt, müsste ich alles bestätigen."
"Ach, Sie - Sie können mich alle mal, Sie Sie ..."
"Den Gefallen werden wir Ihnen aber nicht tun, Sie - Sie ..." meinte Barbarella lächelnd und blinzelte Waldemar verschmitzt zu.
Dann krachte es. Dr. Hoose hatte mit der Faust auf Barbarellas Schreibtisch gehauen, dass ihr dort liegendes Handy zu Boden sprang und einen erschreckten Klingelton von sich gab.
"Ich verbitte mir diese impo - äh impertinenten Redensarten! Lassen Sie sofort Herrn Hinterer zu mir vorkommen!"
"Den neuen Abteilungsvizepräsidenten? Der war doch eben erst hier?" murmelte Barbarella. Sie wählte auf ihrem Hausapparat eine dreistellige Nummer.
"Hallo, Herr Vize-Intrigant, Sie möchten noch einmal zum Herrn Chef-Intriganten kommen," sagte sie dann leise in den Hörer. Sie legte auf, ohne die Reaktion abzuwarten.
--------
"Hier ist die Adresse, Egon," sagte Dr. Hoose und gab Egon Hinterer einen Zettel. "Dort werden Sie jetzt sofort hinfahren. Ich nehme an, dass dieser Direktor Henkelbracht von Brodelbach die Formel kaufen will. Ich gebe Ihnen hiermit die Vollmacht, eine Option, also ein Vorkaufsrecht, auf die INVISIBLIN-Formel zu erwerben. Bei der Option können Sie jede Summe bieten. Wenn sie zu hoch wird, können wir bei der eigentlichen Kaufsumme immer noch herunterhandeln. Wenn es Probleme gibt, rufen Sie mich sofort auf dem Handy an. Hauptsache, wir schnappen dem Henkelbracht den Happen vor der Nase weg!"
"Hoffentlich hat der den Happen nicht schon geschluckt!" seufzte Hinterer. "Der sieht so gefräßig aus."
-------
Eine halbe Stunde später stand der frischbeförderte und hochbevollmächtigte Egon Hinterer vor der namenlosen Tür des ehemaligen Labors von Dr. Schaumberg.
Da auf sein Klingeln und Klopfen und auf seiem zusätzlichen Handyanruf niemand öffnete oder reagierte, drückte er ungeduldig gegen die Tür - und diese gab plötzlich nach.
Weiere fünf Minuten später wurde ihm klar, dass er sich in einer völlig verlassenen Wohnung befand. Von einem Labor, von einem Dr. Schaumberg oder gar von dem INVISIBLIN war hier nicht die geringste Spur zu sehen.
Demnach war die Adresse, die Dr. Hoose von diesem falschen Hund von Waldemar bekommen hatte, falsch. Eine absichtliche Irreführung! Wahrscheinlich wollte Waldemar Zeit gewinnen, um schnellstmöglich am tatsächlichen Aufenthaltsort des Erfinders den Kauf der Formel durch die Brodelbach Chemie perfekt zu machen!
Verdammt, er musste sofort zurück zur Firma und sich an die Fersen von diesem Unsinger hängen. Nur der konnte ihn zu Dr. Schaumberg führen.
Wie von drei Teufeln gejagt rannte Hinterer die Treppe hinunter. Er warf sich in seinen schicken Porsche und raste zurück zur PPP.
Waldemar Unsinger saß zum Glück noch in seinem Laborzimmer und verrichtete scheinbar harmlos seine Arbeit, als könnte er kein destilliertes Wässerchen trüben.
Hinterer verbrachte den ganzen Tag in der Nähe Unsingers, ohne dass dieser etwas Verdächtiges anstellte.
Sollte Egon zu Dr. Hoose gehen und ihm mitteilen, dass die Adresse falsch gewesen war, die Unsinger genannt hatte? Dann würde dieser womöglich Unsinger zur Rede stellen und die richtige Adresse verlangen. Aber wahrscheinlich würde Unsinger daraufhin erst recht bei seiner Behauptung bleiben, die Sache sei eben ein großer Schwindel.
Egon Hinterer hoffte auf den Feierabend. Doch seine Pechsträhne nahm auch dann kein Ende. Er stand sich bei strömendem Regen gegenüber von Waldemars Wohnhaus die frierenden Beine in den knurrenden Bauch. Waldemar dachte gar nicht daran, das Haus zu verlassen. Der Kerl benahm sich ausgesprochen verdächtig unverdächtig, fand Egon.
Nur eines hatte er herausgefunden: Waldemar wohnte bei einer Dame namens Emily Brachiala. Und als diese schließlich um 19 Uhr das Haus verließ, fiel es Egon wie Schuppen von den Haaren. Natürlich! Dieses unförmige weibliche Wesen war die Komplizin Unsingers! Er schickte einfach sie als Kurier zu seinen Kontaktleuten von der Brodelbach Chemie.
Eifrig setzte sich Egon Hinterer auf die breite Spur des brachialen Frauenzimmers.
So bemerkte er auch nicht, dass um 19.15 Uhr vor dem Haus ein kleiner japanischer Honda vorfuhr und aus diesem ostasiatischen Straßenfloh eine junge europäische Dame ausstieg, die ihm glatt den Atem verschlagen hätte.
Dafür verschlug sie Waldemar Unsingers Atem um so mehr, als er auf ihr Klingeln hin die Wohnungstür öffnete. Denn die junge Dame war niemand anderes als Barbarella Schönthal.
"Barbarella, Sie ...?" stammelte er leicht erschrocken und glücklich zugleich. "Sie kommen - mich besuchen?"
"Ja, eine kleine Überraschung, Waldemar," sagte sie mit strahlendem Lächeln. "Da staunen Sie, was?"
"Aber allerdings, ja, natürlich, sehr, und wie!" sagte er atemlos.
"Möchten Sie mich nicht hereinlassen?" fragte Barbarella. "Ich habe Ihnen nämlich etwas Wichtiges mitzuteilen."
"Ach so, ja, natürlich, entschuldigen Sie ... bitte!" Ruckartig riss er die Wohnungstür weit auf.
"Danke, Waldemar," sagte sie und trat leichtfüßig herein.
"Sind Sie allein? Oder ist Ihre Wirtin zu Hause?"
Er half ihr aufgeregt aus der braunen Kunstpelzjacke und blickte sich scheu um.
"Nein, sie ist gerade weggegangen."
Sie trat vor den kitschigen Garderobenspiegel in der Diele, zog ihren grünen Hosenanzug glatt und strich sich über ihr schwarzes Haar.
"Duldet sie etwa keinen Damenbesuch hier?" gluckste sie. "Bringe ich Sie vielleicht in Verlegenheit?"
"Nein, nein," versicherte Waldemar hastig, obwohl Emily Brachiala solchen Besuch weiß Gott nicht geschätzt hätte. Hoffentlich kam sie nicht so schnell wieder.
"Kommen Sie ruhig mit in mein bescheidenes Zimmer, Barbarella. Frau Brachiala hat mir da auch gar keine Vorschriften zu machen. Wir leben ja im 21. Jahrhundert."
Er öffnete die Tür zu seiner bescheidenen Bleibe.
Und was passiert jetzt mit Waldemar, Barbarella oder mit Egon Hinterer und Dr. Hoose?
Weiter geht`s in Kürze mit Kapitel 12